26.11.2009
biosyn erweitert die Wirkstoffproduktion um Selen
Fellbach – Die biosyn Arzneimittel GmbH hat sich auf eine weiter steigende Nachfrage nach Selen-Arzneimitteln eingerichtet. In Fellbach bei Stuttgart stellte das Unternehmen heute (26.) eine der wichtigsten Investitionen seiner Firmengeschichte offiziell vor: Seine neue Wirkstoffproduktionsstätte für Natriumselenit-Pentahydrat.
Damit produziert das vor 25 Jahren gegründete Unternehmen erstmals den Wirkstoff für seinen Hauptumsatzträger, das Selenarzneimittel selenase®, selbst. Mit der Anlage, die 1,5 Millionen Euro gekostet hat, steigere das Unternehmen die Qualität – besonders von Injektionslösungen – und befreie sich aus der Abhängigkeit externer Lieferanten, begründete biosyn-Geschäftsführer Dr. Thomas Stiefel die Investition. Außerdem stelle es sich auf die Herausforderungen der Zukunft ein. „Wir setzen weiter auf Wachstum.“
Schon im zurückliegenden Jahr war der Umsatz nach Angaben der biosyn-Geschäftsleitung um zwölf Prozent auf rund 14 Millionen Euro gestiegen. In diesem Jahr erreicht das Unternehmen zumindest das sehr gute Umsatzniveau des Vorjahres, wobei die Monate November und Dezember sehr vielversprechend sind.
Große Erwartungen setzt das Unternehmen in den Export. Bereits heute werde ein Viertel des Umsatzes im Ausland erzielt. Mit Ausnahme von Afrika sei biosyn nun auf allen Kontinenten vertreten. Im nächsten Jahr stehen Produkteinführungen in Portugal, der Ukraine sowie Italien bevor. „Die konsequente Internationalisierung durch Lizenzvereinbarungen und Vertriebskooperationen zahlt sich aus“, betonte Dr. Stiefel.
Die neue Wirkstoffproduktion soll nun auch helfen, neue Märkte zu erschließen. „Sie ist nach allem, was wir wissen die einzige Anlage der Welt, auf der Natriumselenit-Pentahydrat in der für Arzneimittel vorgeschriebenen Qualität, dem GMP-Standard, hergestellt werden kann“, erläuterte Ortwin Kottwitz, der für die Produktion zuständige Geschäftsführer von biosyn. Inzwischen verfüge das Unternehmen über ein behördliches GMP-Zertifikat, das nach einer mehrtägigen Inspektion von der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium Tübingen erteilt wurde. Mangels Alternative hätten die meisten Arzneimittelzulassungs- und Aufsichtsbehörden bisher niedrigere Standards geduldet. Frankreich beispielsweise habe dagegen allen Herstellern den Marktzugang verweigert. „Dazu gibt es nun keinen Anlass mehr.“
Der Optimismus wird gestützt durch immer neue Erkenntnisse über die medizinische Bedeutung des Spurenelements Selen bei bestimmten Erkrankungen. So etabliere sich Selen mittlerweile als Therapiestandard in der Sepsisbehandlung. Insbesondere bei entzündlichen Erkrankungen der Schilddrüse, in der Onkologie und der Intensivmedizin werde Selen immer wichtiger, betonte Dr. Thomas Stiefel.
Außerdem bedient das Fellbacher Unternehmen einen weiteren Zukunftsmarkt: den der Impfstoffe. Sein aus der Lymphe der kalifornischen Meeresschnecke biotechnologisch gewonnenes Hämocyanin sei begehrtes Trägermolekül für therapeutische Impfstoffe, mit dem mittlerweile multinationale Pharmaunternehmen beliefert werden.
biosyn ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Anbieter von Selenarzneimitteln. In Deutschland baue es seinen Marktanteil kontinuierlich aus. Das Unternehmen hat sich mit Forschungen zur Bedeutung des Spurenelements Selen in der Medizin einen Namen gemacht. Seine Produktpalette umfasst rund 30 Präparate, vorwiegend Arzneimittel für die Krebs- und Intensivmedizin. biosyn beschäftigt rund 80 Mitarbeiter, 70 davon in Deutschland.