25.05.2010
Selen hilft bei Wochenbettdepressionen
Fellbach - Wenn frischgebackene Mütter plötzlich scheinbar grundlos niedergeschlagen sind, am Sinn des Lebens zweifeln und sich überfordert fühlen, hat dies oft einen ernsten Hintergrund: eine Wochenbettdepression. An dieser psychischen Störung leiden etwa zehn bis zwanzig Prozent der jungen Mütter nach einer Geburt.
Eine Wochenbettdepression kann viele Ursachen haben. Eine davon könnte eine neu auftretende Unterfunktion der Schilddrüse sein – die so genannte Post-partum-Immunthyreoiditis. „Achten Sie deshalb besonders in der Schwangerschaft auf eine ausreichende Selenversorgung“, rät der Hamburger Endokrinologe und Gynäkologe Professor Dr. Heinz G. Bohnet. Denn ob eine solche Post-partum-Immunthyreoiditis überhaupt auftritt oder wie schwer sie verläuft, das hängt entscheidend von der Selenversorgung des Körpers ab.
Die Konzentration des lebensnotwendigen Spurenelements Selen sinkt während einer Schwangerschaft um etwa 25 Prozent. Zu wenig Selen im Blut sorgt dafür, dass die Funktionsfähigkeit eines Enzyms, welches die Produktion von Schilddrüsenhormonen steuert, eingeschränkt wird. Zu wenig Schilddrüsenhormone wiederum verursachen Stimmungsschwankungen, die sich dann zu einer Wochenbettdepression entwickeln können.
Um einer Wochenbettdepression vorzubeugen, empfiehlt Dr. Bohnet, spätestens bei Beginn der Schwangerschaft, für eine ausreichende Selenversorgung zu sorgen. „Mindestens 100 Mikrogramm pro Tag sollten dem Körper zugeführt werden“, so der Mediziner. Denn die Selenaufnahme über die Nahrung reicht, gerade in einer Schwangerschaft, oft nicht aus.
Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an einer chronischen Schilddrüsenunterfunktion leiden, haben ein erhöhtes Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken. „Dann ist es sinnvoll, zusätzlich zwischen 100 und 300 Mikrogramm Selen einzunehmen“, weiß Prof. Bohnet. „Schon 200 Mikrogramm pro Tag reichen aus, die bestehende Schilddrüsenerkrankung günstig zu beeinflussen.“