Zweifelhaft: Selenbad als Jungbrunnen

Wellness-Tempel bieten immer öfter auch Selenbäder an. (Bild: Shutterstock)

Wellness-Wochenende, Spa-Besuch, Thermalbad stehen heutzutage hoch im Kurs, wenn es darum geht, die Seele baumeln zu lassen, zu entspannen, sich selbst etwas Gutes zu tun und den eigenen Körper zu stärken. Immer häufiger sind dabei in den Wellness-Tempeln und Badelandschaften Becken vorzufinden, deren selenhaltiges Wasser positive Wirkung suggeriert.

Gesundheitsbäder mit Selen laden zum Verweilen ein. Selen schützt die Zellen vor schädigenden Einflüssen wie freien Radikalen oder Schwermetallen. Das Spurenelement stärkt das Immunsystem, wirkt gegen Stress und die vorzeitige Alterung der Haut. Glaubt man den Angaben manch eines Anbieters, sollte der Gast zehn Minuten im selenhaltigen Jungbrunnen bei 36 Grad Celsius verweilen, sich danach aber nicht abduschen. Nur so könne der „Wirkstoff einwirken“. Im Anschluss daran folgt eine 30-minütige Ruhepause, so eine Bade-Empfehlung.

Doch was ist dran, an der Wirkung im Selen-Bad? Wirkt es tatsächlich als Jungbrunnen? Fachleute bezweifeln dies. Denn auf die Dosis kommt es an. So würde zwar über die Haut und bei entsprechender Wassertemperatur auch über die Atemluft durchaus Selen vom Körper aufgenommen. Fraglich ist jedoch, ob diese Mengen ausreichen, um die genannten positiven Effekte auf den Organismus zu erzielen, so Dr. Günther Stoll, Leiter der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung der Fellbacher biosyn Arzneimittel GmbH. Die empfohlene Tages-Dosis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von 30 bis 70 Mikrogramm würde so nicht erreicht. Wer etwas für seinen Selenhaushalt tun will, kauft ein Selenpräparat in der Apotheke. Dann ist die Selenaufnahme garantiert.

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